Startseite
  Über...
  Archiv
  Erklärung.....
  Roadtrip(18)
  Wake up when September ends(18)
  In the city[18]
  You can´t take my breath away 1 [18]
  You can´t take my breath away 2 [18]
  The dangerous fight
  Steppenherz
  Steppenherz Kapitel 2
  Not like the other girls
  Sie hört die Musik wenn sie laut ist
  White Blood~Vom finden einer Familie
  Fallen leaves
  Sie hört die Musik ...[Tiffys Part]
  Sensuality
  O(h)melett
  Fairytale gone bad [SA]
  It´s Madness
  Shot
  Das Geheimnis....
  Innocent
  White Blood-Vom finden einer Familie
  Whisperer
  Gästebuch
  Kontakt

Links
  Paskas FF -dieser Klick wird sich lohnen
  Tffy´s FF einer der Besten `gg*


http://myblog.de/spinatwachtel

Gratis bloggen bei
myblog.de





 

FSK: 12

Genre: depri/fantasy

Disclaimer: The Rasmus und die Songtexte gehören nicht mir und es ist alles erfunden.

Claimer: Meine Story!

 

Als sie das erste Mal vor mir stand, dachte ich, es sei eine Einbildung. Als ich sie das zweite Mal sah, hatte ich mich fast zu Tode erschrocken.

Ich wachte gerade auf, noch müde von einer durchzechten Nacht. Meine Augen hatte ich noch nicht ganz geöffnet, da mich das gleißende Sonnenlicht blendete. Deswegen hielt ich es zuerst für eine Sinnestäuschung. Ich setzte mich auf und schreckte zurück. WER WAR DAS? Hatte ich jemanden abgeschleppt? War ich so betrunken gewesen? “Wer bist du?” fragte ich. Sie antwortete nicht sondern lächelte nur. Dann verschwand das Mädchen, da ein Windstoß durch das geöffnete Fenster stob. Ich rieb mir die Augen. Sie war weg. “Okay, Herr Ylönen du musst weniger trinken” rief ich mich selbst zur Ordnung. Verwirrt wühlte ich mich aus dem Bett und schlurfte ins Badezimmer. Mein Spiegelbild, das mir entgegen blickte, gefiel mir gar nicht. Dunkle Augenringe, verschmierter Kajal, Bartstoppeln und zerzauste Haare. “Du siehst aus wie ein Junkie” sagte ich zu mir selbst. Dann putze ich mir die Zähne. Als ich mich ordentlich abschminken wollte und ich wieder meinen Blick in den Spiegel richtete, blieb mir fast das Herz stehen. Dort im Spiegel, zwar ganz blass nur, war SIE! Ich drehte mich um. Sie war immer noch da und lächelte mich traurig an. Ihr blondes Haar umspielte ihr Gesicht. Es wehte leicht, obwohl sich im Bad kein Lüftchen regte. Sie war nackt und zugleich war sie es nicht. “Bist du ein Engel? Willst du mich holen?” Keine Antwort. “Bist du ein Geist?” Keine Regung in ihrem Gesicht. In mir stieg Panik auf. Was zum Kuckuck war das? Rückwärts stolperte ich aus dem Bad und rannte ins Wohnzimmer. Dort stoppte ich und schaute mich vorsichtig um.

Das Mädchen war weg. Irgendwann hielt ich es in meiner Wohnung nicht mehr aus. Ich fühlte mich beobachtet. Ich zog mich in Windeseile an und verließ das Haus. Der Strand war wie immer mein Ziel. Es zog mich oft dahin, wenn ich nachdenken wollte. Diesmal ging ich weiter als sonst, als würde mich etwas irgendwo hinziehen. Feine Steine knirschten unter meinen Füßen und ich stieg etwas höher zu den Dünen. Dort lies ich mich in den Sand fallen.
Meine Augen fixierten den Horizont. Der strahlend blaue Himmel und das dunkle Blau der See verschmolzen miteinander. So dass keine Abgrenzung mehr zu erkennen war.
Ein leichte , kühles Kribbeln im Nacken lies mich herumfahren......


Dort stand sie wieder. Verfolgte das Mädchen mich etwa? ”Was möchtest du von mir?” fragte ich den Geist ruhig. Angst verspürte ich keine mehr. Instinktiv wusste ich, dass sie mir nichts tun wollte, sonst hätte sie es längst getan. Ein leichte nicken nach rechts ihrerseits gab mir Antwort. Dort stand ein kleines verwittertes Holzkreuz. Den Namen darauf konnte ich nicht mehr lesen. “Bist du dort gestorben?” Sie schaute mich mit großen traurigen Augen an. Ihr blick war leer und auf das Kreuz gerichtet und obwohl sie mir keine Antwort gab wusste ich, dass ich richtig lag. “Du kannst nicht sprechen?” Das Mädchen nickte und zeigte auf meine Brust. Ich verstand. Sie war tot. Nicht mehr am Leben. Ohne Atem. Und ohne diesen konnte man nicht sprechen. Mein Herz krampfte sich zusammen bei dem Gedanken, dass so ein junges Leben ausgelöscht worden war. Eine Weile sagte ich nichts und der Geist hatte sich neben mir niedergelassen. Sie schien irgendetwas von mir zu wollen. “Wie bist du gestorben?” Ich bereute diese Frage sofort. Konnte man einen Geist einfach so nach seinem Tod fragen?
War das nicht taktlos? Das Mädchen sah mich unglücklich an. In ihrem Blick lag so viel Traurigkeit, als würden alle Sünden dieser Welt auf ihren kleinen Schultern lasten. Mein Herz wurde unendlich schwer bei ihrem Anblick und meine Augen füllten sich mit Tränen. Ihre Gestalt verschwamm und als ich die Tränen wegwischte, war sie verschwunden. Lange saß ich noch dort am Strand und hoffte, dass sie wiederkam. Doch der Geist blieb verschwunden. Schließlich gab ich es auf. Mit steifen Gliedern erhob ich mich und machte mich auf dem Weg nach Hause.

In meiner Wohnung lies ich mich gleich auf mein Bett fallen und rollte mich auf den Rücken. Ich starrte zu Decke. Stunde um Stunde. Schließlich drehte ich mich auf die Seite, zog meine Decke über den Kopf und schloss die Augen.


Ich stand in einem Raum. Es war ein Klassenzimmer. Ein Klassenzimmer aus längst vergangenen Zeiten. Ein Blick auf den Kalender, der an der Wand hing, verriet mir, dass es das Jahr 1967 war. Einige Schüler hatten sich zu einem unregelmäßigen Kreis versammelt. Es war absolute Stille, obwohl ich deutlich sah, wie die Kinder lachten und sich unterhielten. Sie hatten ihre Gesichter zu gehässigen Mienen verzogen. Ich trat in den Kreis- nein ich lief durch den Mob hindurch, als wäre ich Luft. In der Mitte kauerte sie. Zusammengekrümmt auf dem Boden. Ein Mädchen saß auf ihr und zog ihr an den Haaren. Ein Junge trat ihr in die Rippen. Ihr Gesicht war geschwollen und tränenüberströmt. Flehend schaute sich mich an und ihre Lippen formten klar und deutlich die Worte: Hilf mir! Ich tat einen Schritt auf sie zu und streckte die Hand nach ihr aus, doch dann wurde alles schwarz um mich herum. Ich spürte wie ich mich drehte, immer schneller, bis ich es nicht mehr aushielt und die Augen fest zu kniff. Dann schlug ich hart auf den Boden auf……..


Ich lag neben meinem Bett. Ein neuer Morgen war angebrochen. Ich hörte die Vögel zwitschern und spürte die Sonnenstrahlen, die auf mein Gesicht fielen. War das ein Traum? Das konnte nicht sein. Es wirkte alles so real. Aber wie sollte ich in die Vergangenheit gereist sein? Es war mir ein Rätsel.
Vorsichtig erhob ich mich, sackte aber gleich wieder zusammen. Mir tat alles weh. So schlimm konnte ich doch nicht aus dem Bett gestürzt sein? Ich verharrte noch eine Weile neben dem Bett, bis die Schmerzen nachließen.
Dann begab ich mich ins Badezimmer und machte mich fertig. Die ganze Zeit über schaute ich mich dabei um. Ich hoffte, dass das Mädchen wieder auftauchte. Als ich etwas gefrühstückt hatte, setzte ich mich in mein Arbeitszimmer, griff zu meiner Gitarre und begann zu spielen. Ich hatte schon eine Melodie fertig komponiert, doch mir wollte einfach kein Text dazu einfallen. Leise summte ich vor mich hin, während ich die Saiten meiner Gitarre zupfte. Die Augen waren dabei geschlossen, so sah ich nicht, dass sie wieder da war.
Etwas kühles berührte mich an meiner Wange. Ich hielt inne und öffnete die Augen. “Da bist du ja wieder”. Sie nickte leicht. “Ist dir das passiert? Das, was ich heute Nacht geträumt habe?” Wieder ein Nicken. Wieder diese tiefe Traurigkeit in ihren Augen. “Warum erzählst du mir das?” Das Mädchen schüttelte mit dem Kopf und hielt sich mit einer Geste den Mund zu. Ich verstand sofort. Es war ihr verboten es mir zu sagen. Ich musste selber darauf kommen.
Das Telefon klingelte. Ich schreckte zusammen und der Geist war augenblicklich verschwunden. Ärgerlich hob ich den Hörer ab. Es war Aki, er wollte wissen ob ich heute Abend mit ins Nosturi kam. Ich hatte keine Lust, nein viel mehr war es so, dass ich nicht in Stimmung dafür war. Aki war enttäuscht, aber ich lies mich nicht umstimmen. Ich wollte nachdenken und dieses Geheimnis um das Mädchen lüften.

Später am Nachmittag legte ich mich aufs Sofa. Ich hatte es aufgeben, mir fiel einfach kein Text zu dem Lied ein.
Vielleicht würde mir eine Zigarette etwas helfen. Der Rauch der Zigarette schwebte an die Decke und blieb dort in kleinen Wolken hängen. Ich lag auf dem Rücken und beobachtete das Schauspiel. Bis meine Augen anfingen zu Tränen und ich sie schloss.

Wieder war ich im Jahre 1967. Ich stand in einer Mädchentoilette. Vier Mädchen umringten sie. Eine hielt sie fest, eine andere hielt ein Feuerzeug in der Hand. Ich konnte wieder keinen einzigen Ton hören. Doch ich vermutete, dass sie sie zwingen wollten, aus der Toilette zu trinken. Oder sie verbrannten sie. Wieder trat ich auf die Gruppe zu und wieder lief ich hindurch als wäre ich Luft. Das Mädchen schaute wieder flehend zu mir hoch und bat mich ihr zu helfen. Ich sah wie das Feuerzeug aufflammte. Wie das eine Mädchen sich den blonden Harren näherte. Ich griff dazwischen und ein stechender brennender……..


Schmerz lies mich hochfahren. Ich war mit der brennenden Zigarette eingenickt. Heiße Asche war auf meinen Arm gefallen. Es brannte fürchterlich, trotzdem stand ich nicht auf, um mir Wasser auf die Brandblase laufen zu lassen. Meine Gedanken rasten, ich war wie gelähmt. Ich hatte Angst, dass ich jetzt jedes Mal solche Träume haben würde. Wenn mir jemand gesagt hätte, dass es noch schlimmer kam, ich hätte ihm nicht geglaubt………


Irgendwann fand ich doch die Kraft aufzustehen. Ich stellte mich auf den Balkon, rauchte eine Zigarette und schaute mir den Sonnenuntergang an. Plötzlich sah ich sie wieder. Sie schwebte hoch über den Bäumen der Allee. Zusammen mit eine Paar Krähen. Wie seltsam dachte ich. So ein schönes Wesen mit solch hässlichen Kreaturen. Doch zugleich schämte ich mich bei diesem Gedanken. Es zählte doch das Innere, nicht wie man aussah. Der Geist flog auf mich zu, lies sich lächelnd neben mir nieder. Diesmal war es ein glückliches Lächeln. “Bringt dir das Fliegen Spaß?”
Ein deutliches Nicken ihrerseits. Das Mädchen hielt etwas in der Hand. Wie sie das konnte, wusste ich nicht. Wahrscheinlich konnten Gespenster einige Dinge berühren ohne durch sie hindurch zu gleiten.
“Was hast du da in der Hand?” Sie zeigte es mir. Schwarze Federn. Krähenfedern. Sie gab mir zu verstehen, dass eine Krähe ihr diese geschenkt hatte. Dann hob sie die Hand und steckte mir diese Federn in meine Haare.
Sie lachte und war im nächsten Moment verschwunden.
Als dann endlich die letzten Sonnenstrahlen hinter dem Horizont erloschen waren, verzog ich mich in meine Wohnung. Zielgerichtet lief ich auf das Badezimmer zu, knipste das Licht an und betrachtete mich im Spiegel. “Blond sieht das scheiße aus!” sagte ich zu mir selbst. Ich wühlte in meinem Badezimmerschrank, irgendwo hatte ich doch noch eine Tönung liegen.
Es war sowieso Zeit, mal was zu verändern. Seit Jahren hatte ich jetzt die gleiche Frisur, mit einigen kurzen Ausnahmen versteht sich. Schließlich fand ich sie und machte mich an die Arbeit. Ich musste zweimal überfärben, beim ersten Mal wurde es grün. Dann aber hatte ich schwarze Haare. Nun zog ich mir noch einen Seitenscheitel und toupierte mir alles an. Danach steckte ich mir die Federn mit einigen Haarklammern fest. Zufrieden betrachtete ich mich im Spiegel. Das sah besser aus und plötzlich wollte ich doch noch ins Nosturi gehen.


Es war eine feuchtfröhliche Nacht geworden. Aki hatte sich nicht mehr eingekriegt bei dem neuen Anblick. Pauli hatte mir zugleich einen neuen Namen verpasst. “Lintu”, Vogel. Nun lief ich schwankend nach Hause. An den Geist verschwendete ich in dem Augenblick keinen Gedanken mehr. Ich wollte nur ins Bett, mir war kotzübel zumute.
Es dauerte eine Weile, bis ich die Tür aufgeschlossen hatte. Ins Bett schaffte ich es nicht mehr. Ich lies mich im Flur gegen die Kommode gelehnt nieder, um meine Schuhe auszuziehen. Ich schloss die Augen, es dreht es sich alles.

Ich stand in einem Zimmer. Ein Kinderzimmer, in dem scheinbar ein Mädchen wohnte. Mein Blick schweifte durch den Raum und blieb an dem Bett hängen. Mein Atem stockte. Dort lag sie aber nicht allein. Ein Mann war bei ihr. Er zog sie aus, obwohl sie sich wehrte. Das Mädchen schrie, schlug um sich, wollte fliehen. Doch vergeblich, er war stärker. Mir war sofort klar, was er da machte. Er verging sich an ihr. Hilflos lag sie nun da, vom Gewicht des Mannes niedergedrückt. Tränen der Verzweiflung, der Scham rannen ihr Gesicht hinunter. Die Augen ausdruckslos und leer. Sie drehte den Kopf und sah mich an. “Mach das es aufhört!” hallte in meinem Kopf nieder. Ich setzte mich in Bewegung, wollte den Mann greifen, ihn herunterreißen von ihr. Meine Hände glitten durch ihn hindurch. Entsetzt wich ich zurück. Ich konnte nichts tun! Ich schloss die Augen, wollte nichts sehen. Doch die Bilder hatten sich in meinem Kopf eingebrannt. Mir wurde schlecht, ich stolperte rückwärts, wollte weg! Doch die Wände ließen mich nicht gehen. Mein Magen drehte sich, mir brach der Schweiß aus und ich………

übergab mich auf dem Flur. Der Schweiß trat mir aus allen Poren und das Würgen schien nicht aufhören zu wollen. Unzählige Minuten vergingen, so schien es mir, bis mein Magen sich endlich beruhigte. Erschöpft lehnte ich mich gegen die kalte Wand, presste meine heiße, pochende Stirn dagegen. Was war das? Warum tat sie mir das an? Warum ich? All diese Fragen schossen mir durch den Kopf. Lange verharrte ich dort nicht. Ich stand nach wenigen Minuten auf und reinigte den Flur.
Der Morgen war schon angebrochen und ich suchte verzweifelt nach einer Ablenkung. Schlafen legen wollte ich mich nicht. Viel zu viel Angst hatte ich vor den Träumen. Also begab ich mich in mein Arbeitszimmer. Ich hoffte, dass meine Schaffenskrise endlich vorbei war. Denn mir fiel seit Wochen nichts mehr ein. Drei neue Songs hatte ich bis jetzt geschrieben und eine Melodie ohne Text. Mindestens fünf mussten es noch werden.
“Still standing” handelte von dem Drogentod eines Freundes. “Time to burn” spiegelte die Schattenseiten meines Ruhmes. Und der “Funeral Song” erzählte von meinen Gewissensbissen gegenüber meiner Ex-Freundin.
Einige weitere Texte gingen mir zwar im Kopf herum, aber mir fielen keine Melodien dazu ein. Ich hoffte deswegen inständig, dass es heute klappen würde. Ich setzte mich also auf den Teppich, der vor dem Fenster lag, und begann zu spielen. Nach wenigen Griffen stoppte ich. Es funktionierte nicht. Ich musste dieses Gefühl finden, was ich immer hatte, wenn ich Songs schrieb. Lange saß ich dort, die Sonne hatte ihren Lauf am Himmel schon zur Hälfte rum und ich verharrte jetzt im Schatten. “In the Shadows” ging mir durch den Kopf. Das war etwas. Ich begann wieder zu spielen. Die Worte bildeten sich fast von selber.
“I´ve been searching
I´ve been waiting
In the shadows for
my time“


Ich griff nach einem Stift und meinem Block und begann alles aufzuschreiben. Als es fast dunkel, war lies ich müde meinen Stift sinken. Fertig! Ein weiterer Song. Ich gähnte und schlurfte ins Badezimmer. Dort machte ich mich fertig und legte mich schlafen.
Das heißt, ich versuchte es. Mir gingen die Träume nicht aus dem Kopf. Angst beschlich mich und schließlich stand ich wieder auf. Ich knipste im Wohnzimmer das Licht an und setzte mich in meinen Sessel. Meine Finger griffen wie von selbst nach der Zigarettenschachtel, die auf dem Tisch lag und ich zündete mir eine an. Ich inhalierte tief und es beruhigte mich ein wenig. Ein leichter, kühler Hauch lies mich herumfahren. Sie war wieder da und sie schaute mich an. Als wollte sie mir sagen, dass es ihr leid tat. Sie wusste wohl, was für eine Qual es war, solche Träume zu haben. Und noch etwas anderes lag in ihrem Blick. Es war Scham. “Du musst dich nicht schämen! Du kannst nichts dafür!” Der Geist schaute zu Boden und einige Tränen fielen auf das Parkett.” Wer war dieser Mann? Wer hat dir das angetan?” Meine Stimme war erregt und mein Herz klopfte vor Wut an jenen, der solch Abscheuliches getan hatte. Sie antwortete nicht. “Dein Vater?” Das Mädchen schüttelte heftig mit ihrem Köpfchen und ihre Haare flogen dabei in alle Richtungen. Es dauerte eine Weile bis sie mir verständlich machen konnte, dass dieser Mann der Freund ihrer Mutter gewesen war. Ist dein Vater tot?” Wieder ein Nicken und nun weinte sie heftig, auch wenn kein Ton über ihre Lippen kam. Es schüttelte sie regelrecht. Am liebsten hätte ich sie in die Arme genommen und fest an mich gedrückt. Doch ich wusste, dass ich sie nicht halten konnte. Hilflos saß ich da und schaute zu. Ich fühlte mich schrecklich elend. Mein Kopf sagte “Lauf weg” doch meine Beine taten keinen Schritt. Regungslos saß ich da. Mein Herz würde gleich zerspringen, gleich würde ich überlaufen vor Trauer. Und da geschah es. Zuerst liefen nur vereinzelte Tränen meine Wangen hinunter, dann wurden es Sturzbäche.
Erschrocken sah sie mich an und verschwand, als wolle sie mein Herz dadurch erleichtern.
Das tat es zuerst nicht. Ich weinte noch lange, aber nicht nur über sie. Auch über mein Leben. So lange hatte ich das nicht mehr getan und irgendwann spürte ich, dass es mir doch besser ging. Es war wie ein Ventil, wie meine Musik. Völlig erschöpft ging ich schließlich ins Bett. Ich verschwendete keinen Gedanken mehr an die Albträume. Das einzige was ich wollte, war nur noch schlafen.

Wieder war ich im Jahr 1967. Ich stand in einer Küche. Eine Frau, wahrscheinlich ihre Mutter, schrie auf das Mädchen ein. Sie weinte bitterlich. Ich konnte wieder nichts verstehen, aber ich wusste, worum es ging. Sie hatte es ihrer Mutter erzählt und sie glaubte es ihr nicht. Die Frau packte sie an den Schultern und begann sie zu schütteln. Wie ein nasser Sack hing sie in den Armen ihrer Mutter. Dann verpasste sie ihr eine schallende Ohrfeige. Abschließend zog sie ihre Tochter an den Haaren in ihr Kinderzimmer. Dort lies sie sie allein. Lange bleib sie auf dem Boden liegen. Wimmernd und schwer atmend. Plötzlich stand sie auf und setzte sich an ihren Schreibtisch. Dort begann sie zu schreiben. Ich trat hinter ihr und schaute über ihre Schulter:


Habe genug. Ich will nicht mehr. Warum hast du mir nicht geglaubt? So oft hat er es schon getan. Immer und immer wieder. Nacht für Nacht. Manchmal sogar am Tag, wenn du nicht da warst. Weißt du wie es ist, angefasst zu werden? Wenn du es nicht willst? Wenn du ihm nicht gehören willst? Die Narben sind seine Schuld. Die die ich mir selbst zugefügt habe, vor Ekel und Abschaum vor meinem eigenen Körper. Doch du sagtest, ich mach das nur aus Trotz. Weil ich ihn nicht mag. Weißt du wie es ist, gehänselt zu werden? Tag für Tag in der Schule? Weil sie meine Narben gesehen haben? Nein, Mama, das weißt du nicht. Ich hab jetzt niemanden mehr. Selbst du hast mich im Stich gelassen. Die ganze Welt hat mich im Stich gelassen. Und jetzt kann ich nicht mehr. Ich bin müde. Mein Herz und meine Seele tun mir weh. Ich werde gehen. Weit weg und
nie mehr wieder kommen. Euch in Ruhe lassen, euch nie mehr stören…..


Sie stand auf und ließ den Brief dort liegen. Als sie leise das Haus verließ, und ich ihr folgte, beschlich mich eine böse Ahnung.
Das Mädchen hastete durch die Straßen, völlig blind schien sie. Am Strand wurde sie langsamer. Sie setzte jeden Schritt bewusst. Sie lief ihrem Ende entgegen, das wusste ich. Irgendwann hielt sie an und lies sich nahe den Dünen nieder. Sie zog etwas aus ihrer Hosentasche. Eine Rasierklinge. Mir stoppte der Atem. Ich hatte Recht. Das Mädchen wollte sich das Leben nehmen. Langsam krempelte sie die Ärmel ihrer Pullovers hoch. Ihre dünnen Ärmchen waren übersät mit Narben. Ich lies mich auf Knien vor ihr nieder. “Bitte, bitte, flehte ich, bitte tu es nicht !” Sie schaute hoch, mit leeren ausdruckslosen Augen. Ich weinte. Ich war am Ende. Warum konnte ich nichts tun? Ich sollte ihr doch helfen! Das hatte sie mir gesagt. Klar und deutlich! “Hilf mir” hatte sie mich angefleht. Und jetzt sollte ich nichts tun können? “Bitte, es gibt eine Lösung, du wirst Hilfe finden. Du musst nur vertrauen!”
Sie schüttelte mit den Kopf.
Dann holte sie tief Luft, und schnitt fest zu. Einmal, zweimal………sie verzog keine Miene des Schmerzes dabei. Das Blut sickerte in den weißen Sand. Dunkel hob es sich von der Erde ab. Dann ließ sie sich fallen. Lag still am Boden und starrte in den grauen Himmel über uns. Langsam kroch ich auf sie zu, setzte mich neben sie. Vorsichtig versuchte ich, ihr über das Haar zu streicheln. Ich glitt hindurch. Doch das war mir egal. Irgendetwas musst ich doch tun. Also macht ich weiter. Ihre Brust hob und senkte sich. Doch es wurde weniger, bis sie ihren letzten Atemzug tat. Ich spürte, wie ihre Seele den Körper verließ und verschwand.


Ich öffnete die Augen. Mein Gesicht war tränennass. Tiefe Traurigkeit wohnte in mir. Ich fühlte mich schrecklich. Konnte mich nicht bewegen. War wie gelähmt. Warum? Warum nur? Warum tat jemand so was grausames?
Den ganzen Tag blieb ich bewegungslos im Bett liegen. Ich aß nicht, trank nicht, rauchte auch keine Zigarette. Ich war einfach nicht fähig, irgendetwas zu tun. Als es dämmerte, fand ich wenigstens die Kraft aufzustehen und mich auf den Balkon zu setzten. Verloren starrte ich in den Himmel. Ich wartete auf sie. Hoffte, das sie kam, auch wenn ich versagt hatte. Und sie kam wieder. Das letzte Mal.
Ein kühler Hauch sagte mir, dass der Geist wieder da war. Doch hoch schauen tat ich nicht. Ich konnte nicht, zu sehr schämte ich mich dafür das ich ihr nicht geholfen hatte. Erst nach einer Ewigkeit hob ich den Kopf. Sie schwebte vor mir und strahlte. Ja sie strahlte über das ganze Gesicht. Verwirrt blickte ich sie an. “Warum freust du dich so? Ich konnte dir nicht helfen!”
Sie schüttelte heftig mit dem Kopf und hob die Hand, legte sie auf ihre Brust und dann zeigte sie auf mich. “Du willst dich bei mir bedanken? Willst du damit sagen, ich konnte dir helfen?” Das Mädchen nickte. “Aber wie…..?” ich war verwirrt. “Ich konnte es doch nicht ändern! Du bist immer noch tot!” Erstaunt sah der Geist mich an. Dann erklärte sie mir anhand von Gesten, dass man Geschehenes nicht ändern konnte. Sie hatte Recht, wie dumm ich doch gewesen war. “Aber was hab ich den dann für dich getan?” Sie führte ihre Hand zu ihrem Mund und legte dann beide Hände auf meine Ohren, anschließend auf mein Herz. Ich begriff. Ich hatte ihr zugehört. Das war es gewesen was sie wollte. “Und jetzt? Was machst du jetzt? Bleibst du hier bei mir?” Der Geist schüttelte abermals den Kopf und zeigte nach oben in den endlosen Himmel. Sie versuchte mir noch was zu erklären aber ich glaube ich hab es nicht richtig verstanden. Sie hatte, so glaube ich, lange nach jemanden gesucht, dem sie ihm ihre Geschichte erzählen konnte. Damit sie von dem Fluch, der wegen ihrem Selbstmord auf ihr lastete, gebrochen werden konnte. Nun würde ihre Seele endlich ruhen. Im Himmel. Als sie zu Ende “gesprochen” hatte, wandte sie sich zu mir und hauchte mir einen kleinen Kuss auf meine Lippen, dann verschwand sie und tauchte nie wieder auf. Diesen Kuss würde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen. Er war kühl, zart und weich gewesen. Und es lag so viel Unschuld darin, dass es mich schmerzte.
Lange stand ich da und starrte in die Dunkelheit. Ich war unendlich erleichtert, ihr geholfen haben zu können.
Irgendwann lösten sich meine Augen von dieser Finsternis und ich ging in mein Arbeitszimmer. Ich wusste, dass ich jetzt wieder in der Lage dazu war, Lieder zu schreiben und dass ich diese Fähigkeit nicht mehr so schnell verlieren würde.
Meine Gitarre stand dort und wartete auf mich. Ich griff danach und stimmte die Melodie an, zu der mir noch ein Text fehlte. Und begann zu singen:

No more blame I am destined to keep you sane.
Gotta rescue the flame.
Gotta rescue the flame in your heart.

No more blood, I will be there for you my love.
I will stand by your side.
The world has forsaken my girl.

Should have seen it would be this way.
Should have known from the start what she's up to.
When you've loved and you've lost someone
You know what it feels like to lose.

She's fading away, away from this world.
Drifting like a feather she's not like the other girls.
She lives in the clouds and talks to the birds.
Hopeless little one she's not like the other girls I know.

No more shame, she has felt too much pain in her life.
In her mind she's repeating the words.
All the love you put out will return to you.

Should have seen it would be this way.
Should have known from the start what she's up to.
When you loved and you've lost someone close to you
You know what it feels like to lose.




Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung