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Autor:WuschelPuschel
Titel:The dangerous fight(arbeitstitel war übrigens The Fight )
FSK: 16
Genre: depri
Disclaimer: Es ist alles frei erfunden und keiner der berühmten Personen ist mein Eigentum
Warnung: Ich will und werde nichts vorab verraten, aber falls das hier irgendjemanden irgendwann in irgendeiner weise triggern sollte, bitte ich darum nicht weiter zu lesen.

Das hier wird wohl mein zweites Baby werden^^ Genauso wie "In den Strassen von Helsinki" ist alle fix und fertig im Kopf und wird nicht nochmal irgendwo spontan geändert, wie es sonst meißt der Fall ist(weil ich wieder eine "eingebung" hatte xD).
Diese Idee kam mir bei meinem Lieblingssong "The fight" Ich hatte da schon immer irgendwie zwei Frauen im Kopf, die einen persönlchen Kampf miteinander ausführen. Einen gefährlichen Kampf .....


The dangerous fight


Frierend zog sich Svetlana die Decke enger um ihre Schultern, trat von einem Bein auf das andere.
Sie hätte sich Schuhe überziehen sollen, immerhin war es ende Dezember, aber die junge Frau hatte sie unter dem ganzen Haufen Schuhe ,die die Partygäste in den Flur geworfen hatten, nicht finden können und war ohne auf den Balkon hinaus gegangen.
Eine Begrüßungsparty nur für sie, hatte Michelle gesagt, aber Svetlana hatte den Eindruck, das es eigentlich eine Party für Michelle war, die Svetlana hatte planen müssen.
Michelle hatte zwar die Gästeliste erstellt, aber alles andere war an Svetlana hängen geblieben, inklusive der Kosten.
Sie seufzte, als sie an ihr geschmälertes Portemonnaie dachte. Ein Studium in Helsinki, fern von ihrer Heimatstadt zu beginnen, war nicht so billig wie die junge Frau es sich erträumt hatte. Zwar bekam sie staatliche Unterstützung und hatte eine günstige Studenten-Wg gefunden, aber trotzdem fand sie ihr Geld nicht auf der Straße, und der ganze Berg Alkohol, Knabberreien und alles was zu einer Studentenparty dazugehörte ging ins Geld.
Und dann hatte sie noch nicht einmal Spaß an der Feier. Etwa zwanzig Menschen tummelten sich in der kleinen Dreizimmerwohnung, zwanzig Menschen die Svetlana nicht kannte und sehr wahrscheinlich nur wegen Michelle gekommen waren, und der Umstand das sie schüchtern war, machte die Sache nicht einen Deut einfacher.
Eigentlich hätte sie ihre Mitbewohnerin Michelle hassen müssen, aber die junge Frau empfand nur Bewunderung für sie.
In Svetlanas Augen war Michelle eine Frau von Welt, die Mode studierte, wunderschön war und immer im Mittelpunkt stand. Eben genau das Gegenteil von der kleinen, pummeligen und schüchternen Svetlana, die obendrein noch so ein langweilige Fach wie Physik studierte.
Sie umfasste das Gelände fester und starrte in den klaren, schwarzen Himmel.
Himmel, war das kalt! Aber sie traute sich nicht wieder herein.
Ein Klicken lies sie zusammenfahren und sie drehte aufgeschreckt den Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch kam.
„Hab ich dich erschreckt?“ Der junge Mann , der plötzlich neben ihr stand, grinste und blies einen Rauchkringel in die Luft.
„Ja.“
Am liebsten wäre Svetlana sofort im Erdboden versunken. Nichts weiter als ein „ja“? War das alles, zu was sie imstande war?
„Sehr gesprächig bist du ja nicht.“ sagte er und neigte seinen blonden Stachelkopf, wohl um sie näher zu betrachten. Sie spürte wie ihre die Röte ins Gesicht fuhr und wandte sich etwas ab.
Das war doch Lauri, oder Pauli, Svetlana konnte es sich nie merken. Sie wusste nur mit Sicherheit, das er Michelles Freund war. Oder auch nicht. Wie genau der Aktuelle Stand der On-Off-Beziehung war, wusste die junge Frau nicht.
„Svetlana, richtig?“
Sie nickte stumm, starrte stur in den Himmel.
„Du bist doch die neue Mitbewohnerin, oder?“
Svetlana fühlte sich wie im Kreuzverhör, aber sie antwortete tapfer.
„Ja. Michelle hat die Party für mich zur Begrüßung geschmissen.“
Eine Augenbraue von ihm wanderte fragend nach oben. „Im Dezember? Du bist doch bestimmt schon seit fast drei Monaten hier. Und wieso stehst du hier draußen, wenn das deine Party ist?“
„Äähm...“ stotterte Svetlana. „Das sind so viele ...ich kenne die alle gar nicht.“
Die zweite Augenbraue gesellte sich zu der Nächsten und Svetlana verspürte den Drang zu verschwinden.
„Hmmm...okay. Warte mal.“ Er drehte sich um, stieß die angelehnte Balkontür auf und brüllte ins Zimmer.
„Pauli! Alter, beweg deinen Hinter hier raus!“ Mindesten zehn Köpfe, von den etwa fünfzehn Menschen im Zimmer, drehten sich in seine Richtung, sahen aber wieder weg als sie begriffen das sie nicht gemeint waren.
Oh Gott, konnte er nicht einfach wieder gehen und sie hier draußen stehen lassen?
Einen Moment später tauchte eine Wuschelmähne in der Balkontür auf und warf fragende Blicke auf Svetlana und Lauri. Jetzt war sie sich sicher, das es sich um Lauri handelte.
„Wassen?“ nuschelte Pauli.
„Ich wollte dir Svetlana vorstellen. Pauli Svetlana, Svetlana Pauli. Ihr haben wir die Party zu verdanken.“
Pauli schaute ein wenig verdutzt, grinste dann aber.“Klasse Party.“ grunzte er und lies sich von Lauri eine Zigarette anzünden.
„Das dürfte doch für den Anfang nicht zu viele Menschen sein, oder?“ flüsterte Lauri an ihr Ohr, zwinkerte.
Sie war außerstande zu antworten und lächelte nur dankbar.
Ihr Lächeln verschwand aber wieder sofort, als ein blonder Schopf auf dem Balkon geschossen kam. Michelle.
„Ich hab dich gesucht! Wieso stehst du hier draußen?!“ Michelles Lippen verzogen sich zu einem Schmollmund und sie warf Svetlana einen giftigen Blick zu.
Ihr Herz sank ihr in die Hose. Hoffentlich waren die beide nicht gerade zusammen, denn das konnte nur Ärger geben.
„Ich war nur Eine rauchen und hab mich dabei nett unterhalten.“ Lauri hatte die Hände erhoben, ganz so, als wolle er Michelle beruhigen, gleichzeitig aber sah er sie warnend an.
Für einen Moment schien es einen stillen Gedankenaustausch zwischen den Beiden zu geben und Michelle setzte eine gelassene Mine auf.
„Okay, aber komm gleich wieder rein, ja?“
Der junge Mann nickte und Michelle verzog sich frierend in die Wohnung zurück, gefolgt von Pauli.
Lauri schnippte seine Zigarette über den Balkon und verharrte noch einen Moment in Gedanken versunken neben ihr.
Nur zu gerne hätte Svetlana gewusst, was er gerade dachte, traute sich aber nicht ihn zu fragen.
Dann sah er auf und hob die Hand.
„Lauri, übrigens.“
Zaghaft schlug Svetlana ein. „Svetlana.“
„Lana, okay? Ich muss dann.“ Er tippte sich zum Gruß an die Stirn und stapfte wieder hinein.
Svetlana blieb mit wild klopfenden Herzen zurück.

 

Müde tappte Svetlana in die Küche. Die letzten Gäste waren irgendwann in den frühen Morgenstunden gegangen und hatten natürlich ein totales Chaos hinterlassen. Angewidert schob sie mit dem Fuß ein am Boden liegendes Pizzastück beiseite und öffnete den Kühlschrank.
„Morgen.“
Svetlana zuckte zusammen und drehte sich um.
„Du bist wirklich schreckhaft.“ Lauri versuchte zu grinsen, hielt sich aber dann stöhnend den Kopf.„Nie wieder trinke ich so viel.“
Über Svetlanas Lippen huschte in zaghaftes Lächeln und sie goss ihm ein Glas Wasser ein, hielt es ihm zögernd entgegen. Sie hatte nie wirklich getrunken, wusste aber aus Erzählungen , das ein Glas Wasser am nächsten Morgen sprichwörtlich Leben retten konnte.
„Danke.“ Lauri griff sich das Glas und stürzte das Wasser hinunter und sie füllte es noch einmal nach.
„Kopfschmerztabletten hab ich aber keine da.“
Lauri zuckte nur mir den Schultern und setzte sich an den kleinen Küchentisch, beobachtet Svetlana dabei, wie sie versuchte Ordnung in das Chaos zu bringen.
„Soll ich Michelle wecken? Dann helfen wir dir.“
Sie schüttelte hastig mit dem Kopf. Michelle war unausgeschlafen noch kratzbürstiger und eigentlich wollte die junge Frau mit Lauri alleine sein, ohne Michelle.
Lauri kaute nachdenklich auf seiner Lippe und warf wieder einen Blick auf das Chaos, schien zu überlegen.
„Das wäre aber nicht Fair. Du hast dir gestern schon so viel Mühe gegeben und..-“
„Ich mach das gerne.“ unterbrach die junge Frau ihn schnell.
„Wenn du meinst. Ich werde trotzdem nicht zusehen. Außerdem“, er sah auf das Pizzastück hinunter,“ hab ich das glaub ich gestern da hin geschmissen.“
Er sah ehrlich beschämt aus. „Tut mir wirklich Leid. Der schöne Boden.“
Svetlanas Mundwinkel zuckten und schnell wandte sie den Blick ab. „Es sind doch Kacheln und kein Teppich. Und ..-“
Ein unartikuliertes Geräusch lies sie unterbrechen. Michelle stand in der Küchentür, perfekt zurechtgemacht wie immer und nur ihr mürrischer Gesichtsausdruck verriet die Sünden der letzten Nacht. Sie musste sich durch den Flur geschlichen haben, wie eine Maus.
Die junge Frau lies sich auf den freien Küchenstuhl plumpsen und betrachtete beide argwöhnisch. Sie schien zu dem Schluss zu kommen, das sie sich keine Sorgen machte musste, das sich Svetlana mit Lauri im selben Raum aufhielt und schnappte sich Lauris Wasserglas. Von irgendwoher zauberte sie eine Tablette her und lies sie sprudelt im Glas auflösen.
Lauri runzelte die Stirn. „Willst du nicht lieber eine Kleinigkeit essen, bevor du dich mit dieser Chemie voll pumpst?“
„Du weißt genau, das ich Morgens nichts runter bekomme!“ zischte Michelle gereizt.
Svetlana zog unwillkürlich den Kopf ein. Hätte sie nicht noch eine Weile schlafen können? Jetzt wo sie da war, zog sie Lauris Aufmerksamkeit auf sich. Sie konnte die gespannte Stimmung, die plötzlich aufgetaucht war spüren und Svetlana schlich aus der Küche und verschwand in ihr Zimmer. Ans Aufräumen verschwendete Svetlana keinen Gedanken mehr, das konnte jetzt auch warten.
Würde sie so sein wie Michelle, wäre sie da geblieben. Sie würde nicht alleine in ihrem Zimmer hocken und sich ärgern.
Es war endlich Zeit etwas zu ändern!
Die junge Frau setzte sich an ihren Schreibtisch, schob die Lehrbücher beiseite und schnappte sich einen Zettel und Stift.
To do list schrieb sie als Überschrift.

-mindesten fünf Kilo abnehmen
-zum Frisör gehen
-neue Klamotten

Und das würde Svetlana genau in dieser Reihenfolge erledigen und als erstes würde sie ihre Schreibtischschublade aufräumen und die Schokolade wegschmeißen. Am liebsten würde sie gleich eine Typberatung machen lassen, aber das lies ihr knappes Studentenbudget nicht zu. Ob Michelle ihr vielleicht dabei helfen würde? Sie Studierte doch Mode.
Durch ihre Diät würde Svetlana schon einmal etwas einsparen. Die junge Frau würde einfach nicht mehr so viel naschen und darauf verzichten bei ihrem Lieblingsbäcker ihren Kuchen zu kaufen.
Und vielleicht.....vielleicht würde sie Lauri ja am Ende gefallen?
Die junge Frau zögerte, der Stift hing für einen Moment in der Luft, aber dann schrieb sie Lauri als letzten Punkt hinzu.
Allein der Gedanke lies sie rot werden und Svetlana redete sich ein, das die Beziehung zwischen Michelle und Lauri sowieso schon kaputt war und es nichts verwerfliches war, sich dort einzumischen.
Vorsichtig faltete Svetlana den Zettel zusammen und schob ihn zwischen ihre Bücher.
Ich werde es dir schon zeigen, Michelle, dachte sie.

Schon seit zwei Stunden hielten sich Michelle und Lauri in Michelles Zimmer auf. Was die beiden dort trieben, wollte Svetlana lieber nicht wissen, aber trotzdem wanderten ihre Gedanken immer wieder zu ihnen.
Zuerst tauchte Lauri seit drei Wochen nicht mehr auf und die junge Frau dachte schon, es sei mit den Beiden wieder vorbei, da stand er vor der Tür.
Und beachtete sie fast gar nicht.
Natürlich! So ein Moppelchen wie sie, würde sie auch keine Beachtung schenken.
Drei Wochen lang hatte sie an ihrem Plan fest gehalten, drei Wochen hatte sie auf jegliche Extras wie Schokolade, Kuchen und Nachtisch verzichtet, und was war dabei herausgekommen? Zwei lächerliche Kilos......
„Ich hasse dich!“ sagte Svetlana zu sich selbst. „Wieso wirst du nicht so dünn, wie Michelle?!“
Am liebsten würde sie zum Telefon greifen und ihre Mutter anrufen, die wusste immer Rat.
Aber sie wollte doch Erwachsen werden, ihre Probleme selbst lösen und selbstsicherer werden, so wie Michelle. Einer der Gründe, warum sie sich für die Uni in Helsinki entschieden hatte; so weit weg von zu Hause.
Nebenan wurde es plötzlich laut und Svetlana wurde aus ihren grauen Gedanken gerissen. Die junge Frau wollte nicht lauschen, aber die Wand ,zum Zimmer von Michelle , zog sie magisch an.
„Hör endlich auf mit dem Scheiß! Siehst du das gar nicht?!“
Das war Lauri gewesen. Ihr Herz klopfte plötzlich schneller. Michelle schluchzte eine Antwort, die Svetlana nicht verstand. Michelle weinte? Die selbstsichere, unerschütterliche, coole Michelle?
„Ich hab es satt! Dann kratz doch ab!“
Svetlana hörte wie eine Tür zu schlug, kurz darauf die zweite. Die Wohnungstür. Lauri war gegangen.


Wütend stürmte Lauri aus der Wohnung. Es war genug! Und doch kam er immer wieder zurück, in der Hoffnung, das es Michelle endlich begriff. Um keine Schuldgefühle haben zu müssen.
Wie konnte sie nur so egoistisch sein? Begriff Michelle es denn wirklich nicht?
Zuerst hatte Lauri es versucht zu ignorieren, in der Hoffnung, das Michelle damit aufhörte. Dann hatte er getobt,dann gebettelt, es doch endlich sein zu lassen. Er hatte ihr Zeitungsartikel gezeigt, Reportagen im Fernsehen, Videos bei Youtube, aber nichts schien ihr die Augen zu öffnen.
Es gab Tage, da war er am verzweifeln und manchmal hasste er sie regelrecht.
Der Hass quälte Lauri. Er war doch kein schlechter Mensch, und trotzdem empfand er so. Reiner Selbstschutz hatte er einmal gelesen. Um nicht selber daran zugrunde zu gehen. Aber er konnte sie nicht alleine lassen. Er konnte den Gedanken nicht ertragen, das sie starb, wenn er Michelle alleine lies, weil er aufgegeben hatte.

Das würde ihn umbringen.

Wie konnte Michelle sich das nur antun?
Wie konnte sie sich einfach so zu Tode hungern?


Einige Minuten vergingen, bis sich Svetlana aus ihrem Zimmer traute. Michelle saß in der Küche, vor ihr ein Teller mit Knäckebrot.
Knäckebrot! Das war doch die Lösung. Sie würde erstmal nur Knäckebrot essen und wenn sie endlich ihr Zielgewicht erreicht hatte, würde Svetlana eine gesunde und aufgewogene Ernährung zusammenstellen, um ihr Gewicht zu halten.
Zögernd setze sich Svetlana Michelle gegenüber und Michelle hob den Kopf.
Nein, die junge Frau musste sich geirrt haben. Michelle hatte nicht geweint. Ihr Gesicht war Makellos wie eh und je.
„Du hast uns gehört, oder?“ Michelles blauen Augen bohrten sich in sie.
„Lauri war sehr laut.“ gab Svetlana zögernd zu. „Aber ich hab nicht verstanden worum es ging.“
Michelle zuckte mit den Schultern. „Es ist eh vorbei. Wenn er nicht weiß, was er hat und es einfach fallen lässt, hat er selber schuld.“
Svetlana starrte Michelle für einen Moment an, dann nickte sie. Sie hatte doch recht.
Und wieder stieg ihre Bewunderung zu Michelle ein ganzes Stück.
Svetlana würde sich wohl in ihrem Zimmer verkriechen und sich selbst die Schuld geben, aber Michelle hatte genug Selbstvertrauen es nicht zu tun.
Die junge Frau musste es einfach schaffen! Sie musste so wie Michelle werden.

Svetlana verließ den Frisör mit einem schwebenden Gefühl. Zwei Haken hatte sie hinter ihre Liste gemacht und beim ersten Punkt sogar noch ein großes Plus geschafft. Es waren ganze sieben Kilo geworden und nicht wie vorher geplant, fünf. Fünfundfünfzig Kilo erreicht , und das innerhalb von zehn Tagen.
Am liebsten hätte sie sich mit einem großen Stück Kuchen belohnt, so wie die junge Frau es früher getan hatte, wenn sie erfolgreich bei einer Sache gewesen war.
Aber es war nicht mehr wie früher. Sie würde jetzt endlich einen anderen Weg einschlagen und nicht mehr sinnlos alles in sich rein stopfen.
Trotzdem würde sei ein Blick in das Schaufenster der Konditorei werfen, einfach so, weil die Torten immer so schön aussahen und danach gönnte sie sich etwas richtiges. Eine neue Hose, weil die alten zu weit geworden waren, oder vielleicht einen Rock, selbst wenn es noch zu kalt dafür war.
Beschwingt lief Svetlana die Straße hinunter, summte ganz leise vor sich hin und blieb letztendlich an dem Schaufenster der Konditorei stehen.
Die junge Frau schluckte. Eine Beerentorte.....
Die Bäckerfachverkäufern entdeckte Svetlana draußen auf der Straße und winkte ihr zu. Svetlana schüttelte hastig mit dem Kopf, zum Zeichen, das sie dieses mal nichts kaufen wollte.
Die Passanten auf der Straße mussten sie ja bestimmt schon für verfressen halten!
„Svetlana?“
Erschrocken drehte die junge Frau sich um und stand plötzlich Lauri gegenüber.
„Ich hätte dich von hinten gar nicht erkannt, deine Haare sind zu anders.“ Er lächelte ihr freundlich entgegen und Svetlana hob ganz von selbst die Hand. Grinsend schlug Lauri ein.
„Nicht so schüchtern heute wie sonst, was?“
Ihr Selbstvertrauen wuchs augenblicklich um einige Zentimeter. Wenn ihm jetzt noch auffiel, das sie abgenommen hatte.....
„Wolltest du dir etwas beim Bäcker holen?“
Wieso sagte er nichts?War sie noch nicht dünn genug?
Svetlana schüttelte mit dem Kopf. „ Ich war gerade beim Frisör und muss sparen.“
„Das ist allerdings eine doofe Sache...“ Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare und starrte in das Schaufenster.
Bildete Svetlana sich das ein, oder sah er etwas gestresst aus?
„Ich lad dich ein! Ich wollte mir auch etwas holen und ich lass dich nicht einfach draußen stehen.“
Eigentlich hatte sie protestieren wollen, aber diese Torte lachte sie geradezu an und Svetlana lies sich von Lauri durch die Tür schieben.
„Bestelle dir was du willst.“ sagte er, als sie sich in eine Ecke setzten und schob ihr die Speisekarte zu.
Svetlana war Zwiegespalten. Auf der einen Seite freute sie sich mit Lauri in einem Café zu sitzen, wo Michelle ganz sicher nicht plötzlich auftauchen würde, aber auf der anderen Seite konnte sie ihre guten Vorsätze so unmöglich durchhalten.
Zögernd nahm sie die Speisekarte in die Hand.
Lauris Augen folgten ihren Bewegungen. Würde sie bestellen wie jeder normale Mensch auch?
Er war bei Gott nicht blind und hatte sehr wohl gesehen , das sie Gewicht verloren hatte, wenn auch nicht extrem.
Wurde er jetzt Paranoid? Witterte er hinter jedem dünnen Mädchen eine Magersucht?
Svetlana legte die Karte wieder beiseite und Lauri schaute sie angespannt an.
„Eine Cola und ein Stück Beerentorte.“
Erleichterung machte sich in ihm breit. Wenigsten schien Svetlana diesem Unsinn nicht verfallen zu sein. Aber es hätte sein können! Immerhin wohnten Michelle und Svetlana unter einem Dach zusammen und er hatte schon auf der Party damals gesehen, wie sehr Svetlana Michelle verfallen war.
Er hätte Psychologie studieren sollen, dachte Lauri grimmig, anstatt ein erfolgloser Musiker zu werden, der seit zwei Jahren keinen Plattenvertrag mehr unter Dach und Fach hatte.
Die Bedienung kam, nahm die Bestellung auf und ging wieder.
Er sollte sich endlich von Michelle lösen, gänzlich. Das konnte doch nicht ewig so weiter gehen.
„Wohnst du hier in der Nähe?“ riss Svetlana ihn aus seinen Gedanken. Schüchtern sah sie über die Kerze, die auf dem Tisch stand, hinweg, errötete.
So was niedliches bekam Lauri selten zu Gesicht und er vergaß sogar für einen Moment warum er sie überhaupt zum Essen eingeladen hatte.
„Ein paar Blocks weiter, aber eigentlich komme ich gerade von meiner Schicht und hatte Hunger.“
Wie gerufen wurde in dem Moment die Bestellung aufgetischt.
Svetlana lief das Wasser im Mund zusammen und auf einmal gab es für sich nur noch dieses Stück Torte. Wie lange war das her, das sie etwas so leckeres gegessen hatte?
Lauri sah ihr amüsiert zu und als sie sich sogar dazu überreden lies noch ein Stück zu bestellen , war der Argwohn in seinem Kopf vollständig ausgelöscht.
Es war lange her, das er ein Mädchen zum Essen einladen konnte. Mit einem Mal fühlte er sich seltsam gelöst. Mit Michelle war das ja nie möglich gewesen irgendwo essen zu gehen.
„Wie geht es Michelle so?“
Gott, verdammt! Er hatte damit nicht so raus platzen wollen!
Svetlana lies die Kuchengabel sinken. Schon wieder Michelle.....
Die Torte lag auf einmal wie ein schwerer , klebriger Klumpen in ihrem Magen.
„Gut...glaube ich. Sie ist wie immer.“
Warum hörte er nicht auf, an sie zu denken? Sie war doch hier, war das nicht gut genug?
Eben war doch alles so gut gewesen, bis...ja bis sie das zweite Stück gegessen hatte.
Michelle hätte bestimmt nicht so viel gegessen und jetzt würde Lauri sie wahrscheinlich für gierig halten.
Die junge Frau sah auf den letzten Rest, der auf dem Teller lag, dann auf die Cola und ihr wurde Übel. Hätte sie doch wenigstens ein Wasser bestellt, anstatt der Cola!
„Alles klar? Du bist so blass.“
Svetlana schüttelte mit dem Kopf, stand auf und zog sich die Jacke über, alles ohne Lauri dabei anzusehen.
Sie schämte sich entsetzlich!
„Mir ist schlecht. Ich glaube …... tut mir Leid, aber ich gehe besser nach Hause.“
„Lana....?“
Aber sie drehte sich mit gesenkten Kopf um und Verlies hastig das Café.
Lauri hatte es versaut.


Michelles Diary

1.Du sollst unsichtbar werden. Dafür musst du dünner werden.Dünn zu sein, ist wichtiger als Gesund zu sein.
2.Du sollst dünn sein. Bist du nicht dünn , so bist du nicht gut.
3.Du sollst hungern, Abführmittel nehmen, deine Haare kurz schneiden, dir andere Kleider kaufen, alles, damit du dünner aussiehst.

Jeden Tag schreibe ich es mir auf, Ana. Jeden Tag halte mich mich daran, aber ich werde nicht dünner.
Lauri. Lauri hat mich im Stich gelassen. Er sagt ich bin abstoßend. Hässlich.
Ja, das bin ich. Hässlich.

Du hältst zu mir, Ana.

Michelle

 

Sie wollte Lauri nicht wieder sehen. Sie schämte sich schrecklich.....und doch hoffte Svetlana im stillen.
Die junge Frau wusste nicht wo er wohnte, oder wie seine Telefonnummer war, aber er hatte gesagt er arbeite in der Nähe.
Aber nach ihm zu suchen traute sie sich nicht.
Michelle benahm sich auch eigenartig. Sie wirkte anders, auch wenn sie sich immer noch genauso kratzbürstig verhielt wie immer.
Svetlana fühlte sich schrecklich allein, dumm und hässlich.Vor allem hässlich.
Ihr Studium machte ihr auch keinen Spaß, und das obwohl sie Physik immer geliebt hatte.
So viele Menschen um sie herum, die lachten, schwatzten und ihren Spaß hatten und Svetlana stand außen vor, niemand beachtete sie.
Noch immer hatte die junge Frau keine Kontakte geknüpft.
Wer sollte sich denn schon mit ihr abgeben? Sie war doch unter dem Durchschnitt.
Du bist dick, hässlich, unbrauchbar. Verschwinde doch!
Traurig und wütend zugleich starrte Svetlana ihr Spiegelbild im Badezimmer an.
Es waren jetzt zweiundfünfzig Kilo. Nicht wenig genug um beachtet zu werden?
Ihr Blick löste sich vom Spiegel und wanderte zu Badewannenrand. Dort hing Michelles Jeans.
Michelle war unordentlich und Svetlana hatte sich immer im stillen darüber geärgert, aber jetzt war sie fast dankbar dafür.
Würde ihr die Hose passen?
Fast als würde sie magisch angezogen, griff sie nach dem Kleidungsstück, zog ihre eigene Hose von den Beinen und versuchte das heilige Stück Stoff über zuziehen.
Svetlanas Po war zu dick.


Michelles Diary

4.Du sollst nicht essen, ohne dich schuldig zu fühlen.
5.Du sollst keine nahrhaften Dinge essen, ohne dich anschließend zu bestrafen.
6. Du sollst Kalorien zählen und deine Nahrungsaufnahme entsprechend reduzieren.

Ana, ich hasse mich. Ich wünschte ich wäre so dünn, das ich davon schweben kann.
Sich leicht fühlen wie ein Engel. So schön sein wie ein Engel.
Wenn ich dünn bin, brauche ich keine Flügel zum fliegen, den dann kann ich auch so schweben.
Und dann würden mich alle lieben, den Engel muss man doch lieben.
Und weile man Engel so lieben muss, würden meine Eltern wieder zusammen sein.
Weil ich es mir so wünsche und man tut doch viele Dinge, um einen lieben Menschen glücklich zu machen, oder Ana?
Und wenn ich dann endlich schwebe, dann wird Lauri es auch verstehen.

Weil ich dann ein Engel bin.

Michelle

Warum nur hatte Lauri diesen gottverdammten Beschützerinstinkt?!
Es gab viele Macken , die er an sich akzeptiert hatte, aber den Beschützerinstinkt hasste er.
Es gab Momente, da hatte ihm diese Macke schon in einige mehr oder weniger unangenehme Situation gebracht. Angefangen von seiner eigenen „Qual“, die er empfand, wenn er sich um die Nöte andere Menschen kümmerte bis hin zu handgreiflichen Männern, weil er sich in die Probleme anderer Frauen,Freundinnen dieser Männer, „eingemischt“ hatte, die ihm nichts „angingen“.
Und trotzdem ging ihm seit Tagen Svetlanas Flucht nicht aus dem Kopf. Ja, Flucht, so konnte an es nennen.
Vielleicht sollte Lauri es endlich verdrängen, aber er schaffte es nicht.
Menschen, die seiner Meinung nach beschützt werden mussten, zogen ihn magisch an.
Besonders Frauen.
Als strahlender Held dazustehen war keine schlechte Sache, aber bis man endlich an dem Ziel angelangt war, war es ein weiter Weg.
Es war genauso eine Sucht, wie Michelle süchtig danach war nicht zu essen,aber bei seiner Sucht kam wenigstens etwas gutes am Ende dabei heraus.
Und weil das nun mal eine unbestrittene Tatsache war, wollte Lauri Svetlana wiedersehen.
Denn er konnte von schwachen Frauen nicht die Finger lassen.

 

So langsam fragte Lauri sich, ob er Svetlana auf dem Campus überhaupt finden würde.
Er hatte noch nie eine Uni von innen gesehen und wusste sich nicht zu Orientieren.
Und wenn er sich finden sollte, was sagte er dann?
Hallo, ich wollte sich besuchen, weil ich dich schwaches Geschöpf so scharf finde?
Das war doch Lachhaft.
Und er fragte sich immer wieder, wenn er Svetlana half, ob er dann das Interesse an ihr verlor.
Denn das war das erste Mal, das es um mehr Gefühle ging als sonst.
Er hatte schon einige Studenten, die offensichtlich in ihre Kurse gingen, gefragt, wo er Svetlana finden könne, aber jedes mal bekam er nur ein Schulterzucken zur Antwort.
Svetlana? Wer war das noch genau?
Dieses Arme Ding musste sich ja vollkommen ignoriert von der Welt fühlen.
Dabei war sie doch gar nicht zu übersehen, vorher nicht, und erst recht nach nach ihrer „Verwandlung“.
Ja, sie hatte noch ein wenig „Babyspeck“ auf den Hüften gehabt, als er sie das erste Mal gesehen hatte. Besonders ihr Gesicht hatte dadurch immer noch ein wenig kindliche Züge gehabt, aber Lauri hatte es nicht wirklich gestört. Davon einmal abgesehen, das er selbst noch ein Babyface besaß.
Zugegeben, dicke Frauen zogen Männer nun mal leider meist nicht an, aber etwas zum „anfassen“ musste trotzdem vorhanden sein.
Und im Café war sie wirklich eine Schönheit gewesen. Besonders ihre Haare, die sie in ein rot-blond verwandelt hatte, hatten es ihm angetan.
Apropos rote Haare, vielleicht sollte er mal danach Ausschau halten.

Sie starrte auf ihren vollen Teller hinab, wagte es nicht den Blick zu heben. Sie saß hier nur, weil sich so viele andere Studenten in der Kantine trafen, aber trotzdem saß sie allein.
Svetlana verstand es nicht. Sie verstand es nicht , wie sich alle anderen so viele Kalorien in sich hinein stopfen konnten und trotzdem so schön blieben.
Angewidert stocherte sie in ihrem Essen herum.
„Hi ,Lana.“
Erschrocken zuckte sie zusammen und sah hoch. Lauri saß ihr plötzlich gegenüber und musterte sie.
Starr mich nicht so an, ich weiß das ich fett bin!
„Was suchst du hier?“
Warum war sie so aggressiv?
Das brachte Lauri völlig aus der Fassung und er musste erstmal Luft holen.
„Dich besuchen.“
Besuchen? Sie?
Svetlana starrte ihn nur an.
„Schau nicht so entsetzt. Ich wollte dich eigentlich um ein Date bitten.“
Svetlana legte ihre Gabel beiseite. Wenn sie jetzt etwas aß, war alles vorbei.
„Ich dachte wir gehen ins Kino und danach essen wir wo etwas.“
Ihr Herz, das die ganze Zeit geklopft hatte, blieb stehen. Ging es denn immer nur ums Essen?
Svetlana öffnete den Mund. Endlich.
„Ich habe keine Zeit.Ich muss lernen. Es klappt im Moment nicht so gut.“
Das war gelinde gesagt auch die Wahrheit. Schon seit einigen Tagen brachte sie nichts mehr zustande. Ihr Kopf war wie leer gefegt.
„Und wenn ich dich darum bitte? Ich bin in Physik eine Niete, aber abfragen schaffe ich und nachdem Kino helfe ich dir dann beim lernen.“
„Aber fürs Essen gehen habe ich wirklich keine Zeit.“ versuchte Svetlana zu handeln.
Lauri nickte widerstrebend. Im Kino konnte man ja auch etwas essen, auch wenn es nicht gerade nahrhaft war.
„Heute Abend?“
Svetlana nickte zögernd.
Sie war so dünn.


Michelles Diary

7. Du sollst die Waage als dein wichtigstes im Leben ehren.
8. Du sollst nicht zunehmen. Wer zunimmt fällt auf.
9.Du sollst nicht glauben, du bist dünn genug.
10.Du sollst dünn sein und nichts essen. Dieses sind die wahren Zeichen von Willenskraft und Stärke.

Ana, meine Haare fallen aus.
Ich kann nicht mehr , Ana.
Doch Essen ist schlecht. Es widert mich an. Ich kann nicht essen. Überall die Kalorien, das Fett, das beim essen heraus quillt.
Lauri kommt nicht wieder. Ich bin immer noch nicht so dünn und leicht wie ein Engel.
Keiner wird mich lieben.
Ich hasse mich.
Ich hasse mich!

Michelle

 

 „Wo willst du denn hin?“
Michelle hatte sich vor Svetlana aufgebaut und musterte sie von oben bis unten.
Sie hatte sich hübsch gemacht, darin bestand kein Zweifel. Der neue schöne schwarze Mantel , der an die früheren Trenchcoat der sechziger Jahre erinnerte , zusammen mit der grauen Röhrenjeans , in denen die schlanken Beinen steckten....
„Ich hab ein Date.“ Svetlana reckte angriffslustig ihr Kinn in die Höhe, ignorierte ihr klopfendes Herz. Noch nie hatte sie es gewagt Michelle so entgegenzutreten.
Noch nie. Doch jetzt, wo sie es geschafft hatte, endlich in Lauris nähe zu kommen hatte sich ihr Selbstbewusstsein um einiges verdoppelt.
Und so lange sie so schlank blieb, würde auch weiterhin alles unter ihre Kontrolle bleiben. Niemand würde sie mehr fertig machen.
„In diesen Jeans? Dafür bist du zu dick!“
Svetlana klappte der Mund auf, aber schnell erhielt sie ihre Fassung wieder.
„Wenn du meinst.“ antwortete sie kühl und drängte sich an Michelle vorbei.
Das kann doch nicht sein. Dabei war sie sich fast sicher gewesen, endlich das passende Gewicht für die Jeans zu haben.
Sie fühlte sich wieder schwer und unförmig und am liebsten hätte sie das Date platzen lassen, aber das hätte sie niemals gegenüber Michelle zugegeben.
Die Hochstimmung war verschwunden und die junge Frau lief mit gesenkten Kopf durch die Straßen. Sie hätte auch mit dem Bus fahren können, aber ein Spaziergang hielt schlank.
Wer schön sein will, muss leiden.
Am Rautatientori wollte sich Lauri mit ihr treffen. Am liebten hätte sie gewollt, das Lauri sie von zu Hause abholte, aber das hatte er entschieden abgelehnt.
Erzählt hatte Svetlana Michelle übrigens auch nichts,denn so weit reichte ihr Selbstvertrauen bei weitem noch nicht, um andere wissentlich zu verletzen.

Michelles Diary

Ana?
Ich habe heute gehört, das es krank sei, so dünn zu sein.
Das solche Menschen wie ich eine Therapie brauchen, aber das stimmt doch nicht!
Es ist ist doch ein Lifestyle. Magersucht ist krank. Aber Pro Ana nicht.
Das sagen doch so viele.....
Svetlana hat ein Date.....ich weiß das sie mit Lauri geht. Er war doch der einzige,mit dem sie Kontakt hatte.
Sie redet nicht darüber und von Lauri höre ich auch nichts mehr.
Es tut weh.
Sie ist so schön dünn, und ich so fett!
Ich darf gar nichts mehr essen, wenn ich esse wird mich keiner mögen und dann tut es noch mehr weh!


Locker hatte Lauri seinen Arm auf ihre Rücklehne gelegt. Aber „locker“ war es nur von außen betrachtet, in Wahrheit hatte er Angst vor einer Abfuhr.
So angespannt hatte er sich das letzte mal gefühlt, als es mit Michelle anfing.
Er wollte nicht über Michelle nachdenken! Michelle war verloren und interessierte sich nicht für seine Belange, seine Angst um sie.
Svetlana würde nicht so sein. ….Wenn er es ihr erstmal klar machen konnte, würde sie es verstehen. Sie war bestimmt nicht so egoistisch.
Konnte er schon einen Versuch starten, oder würde Svetlana sich erschrecken?
Bei Michelle war es anders gewesen, da hatte er gespürt, das sie fast nach Aufmerksamkeit gegiert hatte.
Langsam lies er seinen Arm herunter gleiten, auf ihre Schultern.
Lana starrte auf die Kinoleinwand, die Popcorntüte fest in ihren Händen.
Der Film interessierte ihn nicht sonderlich, und Lauri hatte diese Liebeskomödie nur ausgesucht, weil Frauen erfahrungsgemäß darauf standen.
Das sollte ein weiteres Signal sein, das er wirkliches Interesse an ihr zeigte.
Obwohl selbst ein Horrorfilm ihm herzlich egal gewesen wäre, so lange sie neben ihm saß.
Zögernd beugte Lauri sich vor und Svetlana drehte den Kopf, lächelte ihn schüchtern an.
Zuckersüß.
Und genau das machte ihn wahnsinnig.
„Du bist süß, hat dir das jemand schon einmal gesagt?“
Es war jetzt einfach der richtige Zeitpunkt , um Komplimente zu machen.
Abrupt wendete Svetlana ihr Gesicht ab und nickte stumm.
Natürlich hatte sie das schon gehört! Aber wann hatte jemand mal die Worte „sexy“ und „Svetlana“ im Zusammenhang benutzt?
Die Popcorntüte starrte sie an. Die alte Svetlana hätte jetzt aus Frust dort hinein gegriffen und hätte damit ihre Enttäuschung ertränkt, aber das hatte es nie dauerhaft besser gemacht.
Seit wann fühlte sie sich eigentlich so schlecht?
Der Druck auf ihren Schultern verstärkte sich und zwang die junge Frau wieder den Kopf zu drehen.
Er rutschte näher und gleichzeitig zog Lauri sie an sich.
Lauri stand Kitsch noch nie gut, aber gerade jetzt küsste sich das Liebespaar auf der Leinwand.....
Sie lächelte unsicher, als er sich noch weiter vorbeugte und sie küsste.
Er schmeckte nach Popcorn. Und er roch schwach nach Cool Water Parfum.
Seine Hand hob sich, zögernd.
Verdammt! Er könnte jetzt....
Schnell ergriff Svetlana seine Hand und er lies sie sinken, löste sich.
Das war zu voreilig.
Die Entschuldigung lag ihm schon auf den Lippen, aber Lauri biss sich auf die Zunge,denn das hätte die Situation nur peinlicher gemacht, als sie schon war.
„Seit der Feier wolltest du einfach nicht mehr aus meinem Kopf.“ gestand er mit einem schiefen Lächeln. „Du bist zu süß.“
Ja.
Süß.

 

Schweigend liefen Svetlana und Lauri nebeneinander her.
Svetlana fühlte sich eigenartig benebelt und sie konnte es immer noch nicht recht glauben, das Lauri ausgerechnet sie geküsst hatte.
Der Geschmack des Popcorn lag immer noch auf ihrer Zunge, aber es störte sie nicht. Es war von Lauris Kuss.
„Sollte ich dich besser nicht nach Hause bringen? Ich bezahle auch den Bus.“ durchbrach Lauri die Stille, einfach um irgendetwas zu sagen. Damit sie etwas sagte. Er mochte ihre leise , schüchterne Stimme.
Das miteinander lernen hatte die junge Frau abgesagt, aus Angst er könnte sie zum Essen überreden.
Und wegen Michelle, auch wenn Lauri Svetlana zu sich nach Hause eingeladen hatte, um zu lernen.
„Ich laufe lieber. Das hält fit und frische Luft am Abend lässt mich besser schlafen.“
Lauri zog die Augenbraue hoch und musterte sie.
Warum sah er sie wieder so an? Stimmte etwas nicht mit ihr? Sah sie so fett aus, das er ihr nicht glaubte, das sie etwas für ihre Figur tat?
„Ich will aber nichts für meine Figur tun. Und es ist kalt, also komm! Wenn wir laufen schaffen wir den Bus noch.“
Laufen war eine gute alternative! Laufen verbrannte mehr Kalorien als ein langsamer Spaziergang.
Svetlana setze Lauri hinterher, der grinsend an ihr vorbei gelaufen war.
Doch schon nach wenigen Schritten rang die junge Frau nach Luft und ihr Sichtfeld begann zu verschwimmen. Lauri konnte sie schon gar nicht mehr richtig wahrnehmen, er war plötzlich ganz weit weg.
Komm schon du fette Kuh! Du wirst es doch schaffen mit einem Raucher schritt zu halten! Du faules Stück!
Sie blieb stehen. Keuchte. Ihr war schrecklich übel und schwindelig, und ihre Knie drohten nachzugeben.
Sie stütze sich mit ihren Händen auf den Oberschenkeln ab und versuchte ruhig zu atmen.
„Lana?“
Lauris Gesicht tauchte plötzlich vor ihr auf, blass und besorgt.
„Alles okay!“ würgte Svetlana hastig hervor.
Aber nichts war okay. Instinktiv griff sie nach Lauris Hand, als sie drohte umzukippen und Lauri reagierte schnell, verhinderte, das Svetlana umfiel.
„Ich bringe dich besser ins Krankenhaus.“
„Nein!“
Svetlana wollte nicht das Ärzte an ihr herumdokterten. Das sie sie anfassten. Ihren hässlichen Körper.
„Dann rufe ich wenigstens ein Taxi, damit du sicher nach Hause kommst!“
Sie schüttelte heftig mit dem Kopf. Nicht nach Hause. Zu Hause war Michelle.
Sie wollte in ihr richtiges zu Hause, dort wo ihre Eltern waren. Aber wenn Svetlana das sagte, würde Lauri sie nur für ein dummes Kind halten.
Lauri blickte für einen Moment hilflos auf die junge Frau hinunter und zog dann schließlich sein Handy aus der Hosentasche.
So langsam schien ihm das ganze über den Kopf zu wachsen.

Michelles Diary

Darf ich vorstellen? Ana. Ärzte und Psychologen nennen sie auch Anorexia nervosa.
Sie ist diejenige, die sich um mich kümmert. Mir sagt was und wann ich essen darf.
Sie bestraft mich, wenn ich schwach geworden bin. Sie weiß, wann ich es verdient habe und hat keine Gnade mit mir, selbst wenn es wehtut. Ana lügt mich nie an!
Für sie zwinge ich mich im Bad auf die Knie, damit ich die Kalorien wieder loswerde. Damit ich die Kontrolle wieder bekomme, und damit ich sie nicht wieder verliere.
Sie weiß, wie schlecht Essen ist. Sie versteht mich. Sie lehrt mich die Kontrolle, die ich für die Perfektion brauche.
Ich brauche Ana, denn ohne Ana bin ich nichts.
Ana ist meine Freundin. Ich brauche niemanden außer sie.
Auch Lauri nicht. Nicht mehr.
Denn....


„Hier.“ Lauri stellte Svetlana ein Glas Cola auf den Tisch. „Ich hab leider nicht anderes da, außer das hier, aber da dürfte auch genug Zucker drinne sein, um deinen Kreislauf wieder in Schwung zu bringen.“ Mit verschränkten Armen vor der Brust blieb er vor ihr stehen.
Stumm nahm sie das Glas in ihre Hände. Vierhundertzehn Kalorien hatte ein Liter Cola. Dieses Glas war etwa mit einem viertel Liter Cola gefüllt. Das machte 102,5 Kalorien und weil man ab fünf hinter dem Komma aufrundete, machte das 103.
Lauris Augen schienen sich in das Glas zu bohren.
Wie lange musste sie laufen , um 103 Kalorien wieder loszuwerden?
„Ich hab noch nie gehört, das man mit den Augen trinken kann.“ bemerkte Lauri , weil sie das Glas immer noch anstarrte.
„Hast du vielleicht Strohhalme da?“ fragte sie zaghaft. Mit dem Strohhalm konnte sie kleinere Schlucke nehmen, das wäre dann nicht so schlimm.
Seine Augenbraue wanderte nach oben.
„Trink einfach!“
„Mir geht es wieder besser, wirklich!“
„So? Dann steh doch mal auf und zeig es mir!“
Von einer plötzlichen Wut gepackt setze Svetlana das Glas an ihre Lippen und trank es aus. Alles.
Sie knallte das Glas auf den Tisch und stand auf.
„Zufrieden?!“
Lauri kniff die Augen zusammen, lies aber die Arme endlich sinken.
„Schön. Möchtest du vielleicht einen kleinen Snack? Ich hab Hunger und da kein Bus mehr fährt, wirst du wohl diese Nacht hier bleiben müssen und mit mir essen. Es sei denn, du hast das Geld dir ein Taxi zu bezahlen.“
Er hatte es nicht mehr. Und selbst wenn, er würde sie jetzt nicht gehen lassen. Diesen Fehler hatte er bei Michelle gemacht und er würde ihn nicht wieder machen.
„Nein danke. Ich habe schon gegessen.“ wies Svetlana ab, blieb nach wie vor stehen.
„Was denn? Eine Popcorn?!“
Wieso drehte sich alles nur ums essen? Wieso sollte die essen und dick werden? Hatte Lauri sie nicht erst zu einem Date eingeladen nachdem sie etwas abgenommen hatte?
„Ich gehe!“ Svetlana nahm sich ihre kleine Tasche und ihren Mantel und ging.
Was sollte er denn tun? Sie mit Gewalt einsperren?

 

…..Ana to the end


Lauri hatte sich nicht mehr bei ihr gemeldet und Michelle zog sich immer mehr zurück. Sie zickte Svetlana sogar nicht mal mehr an. Auf der einen Seite war sie froh.
Froh, das sich keiner einmischte was sie zu Essen hatte, wie viel und wann. Und wenn sie mal etwas Essen musste, dann war es eine unheimliche Erleichterung es alleine tun zu können. Das niemand es sah, wenn sich schwach wurde.
Aber irgendwie fühlte Svetlana sich seltsam schwer. Ein Gefühl , als würde sie alles nieder drücken.
Und sie konnte es nur bekämpfen, wenn sie ihre Nahrungsaufnahme auf ein Minimum reduzierte,
die auferlegten Regeln einhielt und sich streng kontrollierte.
Das gab ihr Halt und Sicherheit. Ein gewisses Maß an Selbstbewusstsein, weil Svetlana wusste, das konnte sie!
Und der Gang zu Waage war schon ein festes Ritual in ihrem Leben geworden.
Schon mit einem Gemisch der Vorfreude und der Angst, falls sie zugenommen haben sollte, steuerte sie ,wie jeden Morgen, das Badezimmer an. Die Badezimmertür war nur angelehnt und Svetlana stieß die Tür einfach auf -und erstarrte.
„Michelle!“
Sie lag auf dem Boden, vor der Toilette. Sekundenlang starrte Svetlana nur auf den leblosen, seltsam verkrümmten Körper, ehe die junge Frau sich in Bewegung setzte.
„Michelle?“
Sie schlief doch nur, oder?
Nahezu panisch rüttelte Svetlana an Michelles Schulter. Ihre Haare lagen ihr im Gesicht und Svetlana traute sich nicht, diese beiseite zu streichen, um sie ansehen zu können.
Sie war kalt.
„Du kannst doch nicht hier liegen bleiben.“ flüsterte sie und versuchte Michelle hochzuheben, doch lies Svetlana Michelles Körper wieder erschrocken zu Boden gleiten.
„Du bist so leicht...wieso bist du...?“
...so dünn?
Noch nie hatte Svetlana Michelle nur im Negligé gesehen, hatte nie gesehen wie sehr sich die Rippen abzeichneten. Wieso hatte Svetlana nicht erkannt, das ihre Arme und Beine Streithölzern glichen? Das ihre Schulterknochen unter der Haut hervortraten?
Ihr Blick huschte zu ihren eigenen Beinen, ihren Armen .
Ich sehe auch so aus. Wann ist das passiert?


Müde und mit halb geschlossenen Augen tastete Lauri nach seinem klingelnden Handy, das auf seinem Nachttisch lag.
Lana, blinkte es ihm entgegen. Sofort war Lauri hellwach.
Es war schon drei Wochen her, das sie einfach aus seiner Wohnung geflüchtet war und bis jetzt hatte sich die junge Frau nicht einmal mehr gemeldet.
Er hatte mit sich gekämpft. Seinen gottverdammten Komplex den Krieg angesagt und auch endlich einmal gewonnen.
Lauri hatte weder mit Svetlana noch mit Michelle versucht Kontakt aufzunehmen. Sollten sie sich doch einen Sarg teilen, wenn es so weit war!Wäre doch eine Verschwendung solch dürre Körper je in einen Sarg zu legen. Solche Gedanken hatten ihn beherrscht und jetzt sollte er seine guten Vorsätze in den Wind schlagen und wieder hin rennen?
„Scheiße man...“ murmelte Lauri zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und nahm ab.
„Ja?“
Am anderen Ende der Leitung war es still.
„Lana?“ Ein sehr ungutes Gefühl beschlich ihn und er setzte sich auf.
Dann war ein unterdrücktes Schluchzen zu hören.
„Lauri? Mi...sie...Lauri ich brauche Hilfe...ich glaube Michelle ist ...sie ist ...tot.“

Natürlich hatte er sich sofort fertig gemacht und den Notruf , auf dem Weg zu ihr, abgesetzt. Mit dem Rad waren die paar Blocks in wenigen Minuten zu schaffen und Lauri traf vor dem Notarzt in der Wohnung ein.
Die Haustür war nur angelehnt und in Lauri zog sich alles zusammen. Er hatte sich auf so etwas vorbereitet, aber jetzt wo es wohl so weit war, schien sich jede Vorbereitung in Luft aufgelöst zu haben.
„Lana?“ rief er, als er die Türschwelle betrat. „Wo bist du?“
„Hier.....vor dem Ba-bade-zi-zimmer....“
Sie hockte vor der Badezimmertür auf den Boden, tränenüberströmt. Ein heftiger Schluckauf vom weinen schüttelte sie und unter anderen Umständen hätte er diese Szene durchaus als niedlich empfinden können. Doch diese Situation lies nichts anderes zu außer Schrecken und Angst.
„Ist...sie da drin?“
Svetlana nickte stumm.
Zögern brachte nun rein gar nichts und Lauri betrat abrupt das Bad, kniete sie nach wenigen Schritten ohne umschweife vor Michelle nieder.
Im Gegensatz zu Svetlana bekämpfte Lauri seine Scheu und strich die Haarsträhne aus Michelles Gesicht.
Lauri wandte den Blick ab, schluckte.
„Sie ist tot.“ hörte er sich selber sagen, dann polterte der Notarzt durch die Haustür.
Es war vorbei.

 

 Svetlana hatte sich bei der Begegnungsstätte ,das kleine Café am Rande des Friedhofes, ein Eis gekauft und schlenderte über den Friedhof.
Die Maisonne war ungewöhnlich warm und das Eis drohte in Rekordzeit zu schmelzen, trotzdem nahm sie sich die Zeit es zu genießen.
Wann hatte sie das letzte mal bewusst die Schönheit ihrer Umgebung war genommen? Sie war doch nur noch mit sich beschäftigt gewesen. Mit ihrem Gewicht, ihrem Aussehen.
Auch wenn das hier ein trauriger Ort sein sollte, so fühlte sich die junge Frau trotzdem seltsam befreit.
Die warme Sonne, die japanischen Kirschblüten, die die Wege säumten und selbst die singenden Vögel , das alles hatte sie die letzten Wochen gar nicht richtig wahrgenommen.
Im Februar war es passiert. Sie war nach Hause zurück gekehrt, durch Michelles Tod noch einmal völlig aus der Bahn geworfen, hatte sie sich zu ihren Eltern geflüchtet, ihr Studium und auch Lauri zurück gelassen. Natürlich war nichts mehr zwischen ihnen passiert. Sie und auch Lauri waren gar nicht der Lage gewesen nur irgendetwas in dieser Richtung anzufangen.
Svetlana hatte eine ambulante Therapie begonnen und es war nicht zu spät gewesen.
Oder nein! Die junge Frau hatte gekämpft und erkannt, wenn sie es schaffte sich so sehr zu strafen und es durch zuziehen, nichts mehr zu essen, so konnte sie auch den Rückweg wieder finden. Sie hatte die Disziplin.
Und jetzt würde sie ihr Studium weiterführen und hatte sogar ein Studienjob angenommen, etwas wozu Svetlana damals nie den Mut gehabt hätte.
Die junge Frau blieb stehen. Hier lag sie. Es war wirklich leicht zu fingen, wie es der Friedhofsgärtner gesagt hatte.
„Hallo.“ flüsterte Svetlana dem Grabstein seltsam beklommen zu. „Ich wollte ja schon früher kommen, aber ich hatte noch etwas wichtiges zu erledigen.“
Sie zog eine eine Vergissmeinnicht aus ihrer Tasche, das sie zuvor vorsichtig in Seidenpapier eingeschlagen hatte, damit es nicht zerdrückt wurde und legte es auf Michelles Grab.
She is fading away ,lautete die Inschrift und Svetlana lächelte traurig. Wie wahr...
„Ob du an mich denkst, da oben, weiß ich nicht, aber ich werde dich nicht vergessen....Du hast mir das Leben gerettet.“
Svetlana wusste, das Michelle keine direkte Schuld an ihrer Krankheit gehabt hatte. Es war ihre eigene Schuld gewesen, ihre eigene Unfähigkeit mit ihren Gefühlen umzugehen und es hätte überall passieren können.
Und ohne ihren Tod hätte Svetlana es wohl nicht begriffen.
Schritte auf dem Kiesweg erklangen plötzlich, doch Svetlana drehte sich nicht um. Es war doch nur ein weiterer Trauender auf dem Weg zum Grab eines geliebten Menschen.
„Hallo,Lana.“
Das Eis fiel zu Boden und hinter hier erklang ein heißeres, leises Lachen.
„Schreckhaft wie eh und je.“
Svetlana drehte sich zögernd um und stand Lauri gegenüber. Wie immer hatte er dieses leichte belustigte Lächeln auf den Lippen, doch diesmal schien ein Hauch von Unsicherheit mitzuschwingen.
„Wie geht es dir?“ Seine Augen huschten über sie, so als hätte er Angst wieder das dürre Mädchen von früher zu sehen.
„Gut, und dir?“ antworte Svetlana ebenso unsicher.
„Auch gut. Ich mein, jetzt wo es vorbei ist.“
Er hatte es nicht gewollt, aber Lauri hatte später eine Erleichterung gefühlt. Es war nun einmal vorbei. Der junge Mann musste keine Angst mehr habe, das es passierte...irgendwann.
Svetlana sagte nicht, das es wohl niemals wirklich vorbei sein würde, das es immer wieder kommen könnte. Aber das wusste Lauri wohl auch.
„Darf ich dich auf ein neues Eis einladen?“
Natürlich durfte er! Ohne Eis kein Lauri, auch das hatte Svetlana begriffen. Die Esskultur hielt Menschen nun einmal zusammen. Essen machte glücklich und gesellig.
Sie nickte und schloss zu ihm auf, schweigend.
„Ich habe mein Studium wieder aufgenommen und einen Job gefunden.“ begann Svetlana nach einer Weile zögernd zu erzählen. „Ich wollte noch nicht wieder in eine WG und deshalb dachte ich, es sei besser, wenn ich nebenbei Geld verdiene, damit ich alleine Wohnen kann....ich habe Angst, das fremde Menschen mich wieder krank machen...“
Lauri blieb stehen und warf einen Blick auf die Gräber, die um sie herum standen.
„Ich weiß, das es dir gemein vorkommen muss, das ich mich die letzten Monate nicht gemeldet habe, aber ich dachte das wäre besser so. ….weil ich irgendwann geahnt habe, das auch ich einen Teil zu deiner Krankheit beigetragen habe. Ich wollte, das du Abstand von mir gewinnst, damit es leichter wird, weißt du?“
Sie nickte. Ihr Therapeut hatte fürs erste ihr sowieso Kontakt mit allem Verboten, was triggern könnte. Drogensüchtigen wurde ja auch geraten an einen anderen Ort zu ziehen, fernab von gewissen Kontakten.
„Du solltest Psychologie studieren.“ fiel ihr plötzlich ein . „Du hast da ein Talent für.“
Lauri lachte. „Nein, mir fehlt der Abstand zu den Patienten. Es würde mich wohl wahnsinnig machen.“
Sie erreichten die Begegnungsstätte und Lana wählte ihr Eis und sie setzen sich auf eine Bank, unter einer Kirschblüte.
Wieder schwiegen sie. Sie verhielten sich beide wie schüchterne Teenager, hatten Angst etwas falsches zu sagen oder zu tun.
„Triggere ich dich eigentlich gerade?“ fragte Lauri plötzlich .
„Was? Ich...nein.“ Zum Beweis hielt sie ihm das Erdbeereis vor die Nase.
Sie fühlte sich wohl und sie dachte nicht darüber nach, das sie gerade Unmengen Fett und Kalorien vor Lauri zu sich nahm.
„Gut...du machst mir nämlich nicht den Eindruck, als ob etwas nicht in Ordnung wäre...ich meine...“ Lauri kam ins stottern. „...weil ich mich nicht zu dir hingezogen fühlen möchte, weil du hilfsbedürftig wirkst.“
Irgendwo fiel der letzte Stein von ihrer Seele. Svetlana verstand gänzlich, das auch Lauri nicht perfekt war, und sie es auch nicht sein musste.
„Wollen wir einen Neuanfang machen?“
Schnell griff er nach ihrer Hand und hielt das Eis auf, das drohte zu Boden zu fallen.
„Es wäre doch Schade um das Eis, oder?“ Er wagte ein Grinsen.
„Oh.“ sagte sie nur und mehr musste sie auch nicht sagen,denn der Geschmack von Lauris Eis lag ihr auf einmal auf den Lippen. Nougat.
Und es passte perfekt zu dem Erdbeereis.

*~Fin~*




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